Rede
der BÜRGERLISTE zur Verabschiedung des Haushaltes am
13.12.2006
Sehr
geehrter Herr Bürgermeister,
liebe
Ratskolleginnen und Ratskollegen,
sehr
verehrte Damen und Herren,
es
sind noch keine neun Monate her, dass hier, an dieser Stelle,
der Haushalt für das Jahr 2006 verabschiedet wurde.
Diesen Haushalt, zu dem ich als Fraktionsvorsitzender der
BÜRGERLISTE erstmals eine Haushaltsrede halten durfte,
haben wir seinerzeit scharf kritisiert und aufgrund konträrer
Zielvorstellungen auf vielen Gebieten konsequent abgelehnt.
Entscheidende Mängel in so wichtigen Bereichen wie
der Jugendförderung oder der Bildung haben es uns seinerzeit
unmöglich gemacht, dem Entwurf zuzustimmen.
Albert
Einstein sagte einmal „Mehr als die Vergangenheit
interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu
leben.“
Wenn
heute der Haushalt für das Jahr 2007 verabschiedet
wird, ist es getreu diesem Zitat daher an der Zeit, nach
vorne zu schauen und zu überprüfen, ob mit dem
vorgelegten Haushaltsplanentwurf die Weichen für die
künftige Entwicklung der Stadt Geilenkirchen in die
richtige Richtung gestellt werden oder ob weiterhin die
hölzerne Starre der letzten Jahre die Zukunft Geilenkirchens
bestimmen wird.
Lassen
Sie mich daher das Augenmerk auf einige ausgewählte
Beispiele im vorgelegten Haushaltsplanentwurf lenken und
gemeinsam überprüfen, welche Entwicklungen sich
in den kommenden 12 Monaten darin abzeichnen.
Beispiel
Jugendförderung:
Erst
kürzlich wurde von Herrn Stüßer in einem
Kommentar in der Geilenkirchener Zeitung zutreffend festgestellt,
dass die „Geilenkirchener Jugendlichen keinen Treffpunkt
haben, ein städtisches Jugendzentrum oder was man auch
nur annähernd so bezeichnen könnte, fehlt gänzlich“
Bereits seit geraumer Zeit fordert die BÜRGERLISTE
deshalb, die Jugendförderung in Geilenkirchen weitreichend
auszubauen und so Jugendlichen mehr Möglichkeiten abseits
der Straße zu bieten. Sowohl das zum Verkauf stehende
Bahnhofsgebäude als auch Teile des bereits im Besitz
der Stadt Geilenkirchen befindlichen Hauses Basten bieten
sich zum Beispiel geradezu zur Errichtung eines Jugendzentrums
an.
Getan
hat sich in den letzten Jahren indes wenig. Verwaltung und
CDU-Fraktion haben alle Vorschläge zum Ausbau der Jugendförderung
stets mit Hinweis auf die Zuständigkeit des Kreises
in Jugendhilfe-angelegenheiten abgelehnt. Ferner wurde argumentiert,
dass von der Stadt Geilenkirchen bereits genügend zusätzliche
Mittel bereit gestellt würden.
Dass der Kreis Heinsberg jedoch seine Aufgaben nicht immer
zu aller Zufriedenheit erfüllt hat, hat mittlerweile
auch die CDU-Fraktion einsehen müssen. Die zusätzlich
von der Stadt Geilenkirchen bereitgestellten Mittel stellten
bei der Menge an Versäumnissen nur den sprichwörtlichen
Tropfen auf dem heißen Stein dar, der kaum mehr Verbesserungen
zu bringen vermochte.
Die
Folgen sind bekannt: in keiner anderen Kommune im Kreis
Heinsberg befanden sich beispielsweise im Jahr 2005 so viele
minderjährige Kinder und Jugendliche in Heimerziehung
wie in Geilenkirchen und auch der Einsatz der „schwarzen
Sheriffs“ ist uns allen noch gut in Erinnerung.
Schaut
man in den Haushaltsplanentwurf für das Jahr 2007,
so könnte man aufgrund der „nackten Zahlen“
zunächst einmal vermuten, dass die Jugendarbeit auch
zukünftig weiterhin stiefmütterlich behandelt
werden soll: wie bereits in den Vorjahren sind beispielsweise
lediglich 10.200 € an Zuschüssen für Jugendverbände
und –vereine und 2.000 € für Jugendveranstaltungen
eingeplant . Mittel für die Errichtung eines Jugendzentrums
fehlen gänzlich. Die Gesamtmittel für die Einrichtungen
der Jugendhilfe steigen zwar um ca. 300.000 € an –
allerdings sind darin auch die Ausgaben für den Kindergarten
Immendorf enthalten, der sich erstmals in städtischer
Trägerschaft befindet. Kosten hierfür: genau jene
angesprochenen 300.000 € , so dass effektiv keine Steigerung
der Ausgaben für die Jugendförderung eingeplant
ist.
Trotzdem
gibt es unserer Meinung nach Anlass für Optimismus:
Zur Zeit zeichnet sich eine Mehrheit im Rat der Stadt Geilenkirchen
für die Einrichtung eines städtischen Jugendamtes
ab. Sollte in der heutigen Sitzung der Beschluss gefasst
werden, dass die Stadt Geilenkirchen zukünftig ein
eigenes Jugendamt betreibt, welches sich vor Ort mit geschultem
und qualifiziertem Personal um die Belange
der Jugendlichen kümmert, seine Kräfte effektiv
zum Wohl der Jugendlichen einsetzt und Maßnahmen zur
besseren Jugendförderung auf den Weg bringt, so wären
unsere Forderungen nach einer verbesserten Jugendhilfe zwar
noch nicht erfüllt, aber wir befänden uns zumindest
auf dem richtigen Wege.
In
Anbetracht dieser positiven Aussichten könnten wir
dann auch hinnehmen, dass der jetzt vorliegende Haushaltsplanentwurf
2007 noch keine Mittelaufstockung für den Bereich der
Jugendförderung vorsieht.
Beispiel
Bildungspolitik:
Noch
Anfang dieses Jahres haben wir davor gewarnt, dass Geilenkirchen
die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Bildungspolitik
zu verschlafen droht. Eine baldige Eröffnung von offenen
Ganztagsschulen in Geilenkirchen war seinerzeit noch nicht
absehbar. Doch auch hier hat sich seither vieles getan.
Nach dem momentanen Stand der Dinge werden zum Beginn des
nächsten Schuljahres mindestens zwei städtische
Schulen den Betrieb als offenen Ganztagsschule aufnehmen.
Die dazu notwendigen Änderungen im Haushaltsplan sind
im vorliegenden Entwurf bereits vorgenommen worden.
Somit
kommen in Kürze auch die Geilenkirchener Bürger
in den Genuss der Vorteile der offenen Ganztagsschule, die
da wären:
1. zusätzliche Bildungschancen für die teilnehmenden
Kinder und
2. eine verbesserte Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf
für die Eltern.
Voraussetzung
jedoch ist, dass in den offenen Ganztagsschulen eine fachlich
fundierte pädagogische Betreuung für den Nachmittagsbereich
stattfindet, dass heißt Fördermaßnahmen
sowohl für schwach- wie auch hochbegabte.
Auch
im Bereich der Bildung kann man also von einer durchweg
positiven Entwicklungen sprechen.
Beispiel
Energiesparkonzept:
Die
möglichst vollständige Ausschöpfung aller
Energieeinsparpotentiale bei städtischen Liegenschaften,
wie sie bereits seit Jahren unisono von allen Oppositionsfraktionen
im Rat der Stadt Geilenkirchen gefordert wird, stellt eine
der Hauptforderungen der letztjährigen Haushaltsrede
der BÜRGERLISTE dar. Auf diesem Gebiet, so teilte die
Verwaltung unlängst mit, wurden für die stadteigenen
Gebäude und Einrichtungen mittlerweile einige Fortschritte
bei der Planung und Umsetzung von Energiesparmaßnahmen
erzielt. Eine umfassende Information über diese Fortschritte
steht leider noch aus, wurde jedoch zugesagt. Seitens der
BÜRGERLISTE wird von der Verwaltung erwartet, dies
möglichst zeitnah zu machen. Die bisher durchgeführten
Maßnahmen müssen transparent und nachvollziehbar
dargestellt werden.
Insgesamt
ist jedoch festzustellen, dass in den Bereich „Energiesparkonzept“
nach Jahren des Stillstandes endlich Bewegung gekommen ist.
Dies werten wir als ein durchweg positives Signal.
Zukünftig
müssen die Anstrengungen zur Einsparung von Energiekosten
selbstverständlich noch weiter intensiviert werden
und auf weitere Gebiete ausgedehnt werden. So unterstützt
die BÜRGERLISTE die Forderung der Grünen, die
Straßenbeleuchtung im gesamten Stadtgebiet auf ihr
mögliches Energiesparpotential hin zu untersuchen.
Darüber hinausgehend streben wir an, den Bereich „Straßenbeleuchtung“
in das Energiesparkonzept der Stadt Geilenkirchen aufzunehmen.
Die von der „West Energie und Verkehr“ in der
Umwelt- und Bauausschusssitzung am 14.11.2006 dargelegten
Möglichkeiten zur Kostensenkung in diesem Bereich reichen
bei weitem nicht aus. Detaillierte Konzepte müssen
erarbeitet werden, welche in ihrer Gesamtheit Aufschluss
darüber geben können, mit welcher Technik geringere
Energiekosten für die Stadt Geilenkirchen erreicht
werden können. Unter Umständen ist auch eine sukzessive
Umstellung der vorhandenen Technik möglich und sinnvoll.
Fakt
jedenfalls ist: andere Städte und Gemeinden haben in
diesem Bereich erhebliche Einsparungen erzielen können.
Für uns sind keine Gründe ersichtlich, dass dies
in Geilenkirchen nicht möglich sein sollte.
Und: Jede Kostenersparnis in diesem Bereich stellt eine
willkommene Entlastung des Haushaltes dar und trägt
somit zu einer geringeren Neuverschuldung bei.
Somit
sind wir beim Beispiel Haushaltsausgleich
angelangt:
Glaubt
man den Zahlen des vorgelegten Haushaltsplanentwurfes, so
kann auch im Jahr 2007 der Ausgleich des Haushaltes erneut
nur durch eine Entnahme aus der allgemeinen Rücklage
gelingen. Es besteht insgesamt ein strukturelles Defizit
von ca. 1,4 Millionen Euro. Trotzdem sinkt die allgemeine
Rücklage nicht unter das Maß der nach §
20 der Gemeindehaushaltsverordnung vorgeschriebenen Höhe
wie noch laut Haushaltsplan 2006 zu befürchten war.
Insoweit zeichnet sich auch hier eine weitaus positivere
Entwicklung ab als es noch zu Beginn des Jahres zu erwarten
war.
Ein
gewisses Restrisiko bleibt jedoch bestehen: sollte sich
bei einigen der knapp kalkulierten Haushaltsstellen herausstellen,
dass der Haushaltsansatz wider Erwarten nicht ausreichend
hoch angesetzt ist, kann sich das strukturelle Defizit schnell
noch ausdehnen.
Potentiell
geschehen könnte dies beispielsweise beim Haushaltsansatz
für die Lehrmittelfreiheit.
Bekanntermaßen
sind nach der vom Landtag am 22.06.2006 beschlossenen Änderung
des Schulgesetzes die Kinder von Empfängern von Hilfe
zum Lebensunterhalt vom Eigenanteil an Schulbüchern
befreit, Arbeitslosengeld-II-Empfänger jedoch neuerdings
von dieser Befreiung ausgeschlossen . Um diese Ungleichbehandlung
zu beseitigen und der Gefahr vorzubeugen, dass sich zukünftig
Kinder aus finanziellen Gründen keine Schulbücher
mehr leisten können, beantragte die ?ÜRGERLISTE
seinerzeit, dass die Stadt Geilenkirchen den Eigenanteil
für die Kinder von Arbeitslosengeld-II-Empfängern
übernimmt.
Obwohl
dieser Antrag von der CDU- und FDP-Fraktion in der Ratssitzung
am 06.09.2006 abgelehnt wurde, hatte die CDU-Fraktion der
BÜRGERLISTE zugestanden, im Bedarfsfall den betroffenen
Kindern Hilfe zukommen zu lassen.
Eine anschließend durchgeführte Befragung der
Schulleiter zu diesem Thema machte deutlich, dass es einigen
Eltern bereits zum Schuljahresbeginn 2006 nicht aus eigener
Kraft möglich gewesen war, den Eigenanteil aufzubringen.
Zudem wurde bei dieser Befragung die Dunkelziffer derer,
die den Eigenanteil nur durch Hilfe Dritter aufbringen konnten,
nicht erfasst.
Es
kann davon ausgegangen werden, dass diese Personen die gemachten
Zugeständnisse zu Beginn des nächsten Schuljahres
beim Wort nehmen und sich vermehrt an die Verwaltung mit
der Bitte um Übernahme des Eigenanteils wenden werden.
Ob der Haushaltsansatz von insgesamt 94.000 €
für die Lehrmittelfreiheit, der im Vergleich zum Vorjahr
nicht erhöht wurde, dann wirklich ausreichend ist,
bleibt abzuwarten.
Ein
geringfügiger Mehraufwand in diesem Bereich wäre
vom Haushalt jedoch durchaus zu verkraften, zumal an anderer
Stelle einige Einnahmepositionen sehr vorsichtig geschätzt
sind und daher noch eine Verbesserung des Haushaltsergebnisses
vermuten lassen. Bei Bedarf könnte im Zuge einer überplanmäßigen
Ausgabe auf diese zusätzlichen Einnahmen zurückgegriffen
werden.
Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich noch folgendes
positiv herausstellen: Bereits seit Jahren fordert die BÜRGERLISTE
die Einrichtung von Ausbildungsplätzen in der Stadtverwaltung
Geilenkirchen. Im Stellenplan 2007 sind nun endlich mehrere
Ausbildungsplätze vorgesehen. Wir begrüßen
dies ausdrücklich. Auf diese Weise trägt die Stadt
Geilenkirchen im nächsten Jahr trotz schwieriger Haushaltslage
endlich wieder dazu bei, Jugendlichen nach Abschluss ihrer
Schullaufbahn eine Ausbildung zu ermöglichen und stellt
dadurch ein gutes Vorbild für Wirtschaft, Handwerk
und Gewerbe dar. Nachahmer aus diesen Bereichen sind ausdrücklich
erwünscht!
Meine Damen und Herren,
für
die Zustimmung oder Ablehnung des vorgelegten Haushaltsentwurfes
ist für die BÜRGERLISTE die Frage ausschlaggebend,
ob die Absichten bezüglich des städtischen Jugendamtes
und des Energiesparkonzeptes von der Verwaltung und (endlich)
auch von der CDU-Mehrheitsfraktion in der bisher erkennbaren
Form beschlossen und verwirklicht werden. Aufgrund der jetzt
bekannten Pläne und in der Annahme, dass diese Pläne
beschlossen und umgesetzt werden, könnten wir in Vorleistung
gehen und den vorgelegten Haushalt mittragen.
Diese
Umsetzung vorausgesetzt lässt der Haushalt 2007 unserer
Meinung nach erstmals erkennen, dass viele unserer Forderungen
der letzten Jahre – zum Beispiel Ausbau der Jugendförderung
und Umsetzung des Energiesparkonzeptes – zwar noch
lange nicht erfüllt sind, die Stadt Geilenkirchen sich
gleichwohl endlich auf dem Weg zum Ziel befindet.
Unter
Würdigung dieses Aspektes wird die BÜRGERLISTE
dem Haushalt 2007 daher zustimmen.
Ich
danke für Ihre Aufmerksamkeit.
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Links zum Thema:
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Artikel
in der Geilenkirchener Zeitung vom 14.12.2006
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